Betriebsseelsorge

„Betriebsseelsorge – Woher kommst Du?“

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Der Sinn dieser Seite ist, ein für alle Male, auf diesem Erdenballe, für Betriebsräte, Gewerkschafter und kirchliche Leute in aller Kürze zu klären: Was ist „Betriebsseelsorge“ und vor allem zu klären, Warum bist du so wie du bist. Aus welchen Quellen speist sich der Strom der Betriebsseelsorge.

Zuströme und Einflüsterer
– Den biblischen Schriften im Alten, – und Neuen Testament, – der Katholischen Soziallehre, – Joseph Cardijn, – Betriebsseelsorgezentrum Voest, – Zweites Vatikanisches Konzil, – französische Arbeiterpriester, – südamerikanische Befreiungstheologie, – feministische Theologie – und Papst Franziskus.

Biblische Schriften
Hauptquelle, von der alle anderen Zu- und Einflüsse abhängen, sind die heiligen Schriften des Alten und Neuen Testaments. Man kann in der Theologie über vieles streiten, nicht aber darüber, auf welcher Seite der christliche Gott steht: Er ist immer auf der Seite der Schwächeren, der Unterdrückten, der Ausgeschlossenen und setzt sich für die Befreiung aus Notlagen – egal ob verschuldet oder unverschuldet – jeglicher Art ein.

Altes Testament Szene eins (Ex 3)
Niedergeschrieben vor fast 3000 Jahren im Buch Exodus und Deuteronomium. Es ist der rote Faden durch das gesamte Alte Testament. Der Gott Israels offenbart sich im Brennenden Dornbusch als „JAHWE“ (Ich bin für Euch da) und erteilt Mose den Auftrag, die Israeliten mit seiner Hilfe aus dem Sklavenhaus Ägypten herauszuführen. „Der Herr sprach: Ich habe das Elend meines Volkes in Ägypten gesehen, und ihre laute Klage über ihre Antreiber habe ich gehört. Ich kenne ihr Leid. Ich bin herabgestiegen, um sie der Hand der Ägypter zu entreißen …“ (Ex 3,4-9)

Neues Testament
Szene 12 (Lk 4) Ziemlich am Anfang des Lukas-Evangeliums und am Beginn des öffentlichen Auftretens Jesu ist folgende Szene beschrieben. Es ist das Programm, die Leitlinie von Jesu Selbstverständnis und seines Wirkens.

„So kam er (Jesus) nach Nazareth, wo er aufgewachsen war, und ging, wie gewohnt, am Sabbat in die Synagoge. Als er aufstand, um aus der Schrift vorzulesen, reichte man ihm das Buch des Propheten Jesaja. Er schlug das Buch auf und fand die Stelle, wo es heißt: Der Geist des Herrn ruht auf mir; denn der Herr hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, damit ich den Armen eine gute Nachricht bring; damit ich den Gefangenen die Entlassung verkünde und den Blinden das Augenlicht; damit ich die Zerschlagenen in Freiheit setze und ein Gnadenjahr des Herrn ausrufe. Dann schloss er das Buch, gab es dem Synagogendiener und setzte sich.“

Von der biblischen Hauptquelle speisen sich alle weiteren Zuströme
KSL – Katholische Soziallehre
– 1891, gut 100 Jahre zu spät, nimmt Papst Leo XIII. in seiner Sozialenzyklika „Rerum Novarum“ (über die neuen Dinge) erstmals Stellung zur „Arbeiterfrage“. Inzwischen feierten liberales Wirtschaften mit unbeschränkten Arbeitszeiten, Kinderarbeit, Ausbeutung, 6-TageWoche, etc. fröhliche Urständ. Sowohl Staaten als auch die Kirchen schauten weg. Die ausgebeuteten, entwurzelten ArbeiterInnen versuchten sich selbst in Arbeitervereinen, Gewerkschaften, sozialen Parteien zu organisieren. Eine „Parallelgesellschaft“ (Hier Pfarre – dort Arbeiterschaft) entsteht aus Not. Seitdem versuchen die Päpste in meist 10-jährigem Abstand neue Dokumente zur „Sozialen Frage“ zu veröffentlichen. Im Bewusstsein der Menschen und der Christen ist sie noch wenig angekommen. Zum Beispiel die Sätze: „Der Mensch ist Mittelpunkt, Ziel aller Politik und Wirtschaft.“ Oder „Soziales hat Vorrang vor Kapital“. – Früchte: Alle christlichen Parteien berufen sich auf die Katholische Soziallehre.

Joseph Cardijn, KAJ – KAB
– In den 1920er Jahren sieht der belgische Priester Joseph Cardijn die Not der gebeugten ArbeiterInnen, die ihm von den Fabriken entgegenkommen, während er auf dem Weg zu seiner Kirche ist. Er gründet JungarbeiterInnenrunden, die sich regelmäßig treffen, ihre Arbeitssituation reflektieren, Orientierung im Glauben und in der Bibel suchen und Handlungsschritte überlegen. Er organisiert die einzelnen Gruppen national und weltweit. Auch die österreichische KAJ und KAB sind Früchte davon. Seine berühmte Methode ist: „Sehen – Urteilen – Handeln“. Die Aussprüche „Die kleinste Arbeiterin ist mehr Wert als alles Gold dieser Erde“ oder „Der Arbeiter ist der erste Apostel in den Fabriken“ zeugen von seiner Wertschätzung der ArbeiterInnen. – Früchte: KAJ, KAB in Österreich und Deutschland; ACO in Frankreich und Belgien

Gründung der Betriebsseelsorge in der Voest-Linz
1953 ist das Gründungsdatum der Betriebsseelsorge in Österreich. Auf dem Voest-Gelände wird eine Pfarre errichtet (Kapelle, Veranstaltungsräume, etc.). Etwa nach dem Motto: Kommen die Fabriksarbeiter nicht in die Kirche – Kommt die Kirche in die Fabrik. Das Betriebsseelsorgezentrum Voest ist das Urmodell der Betriebsseelsorgestellen.

Französische Arbeiterpriester
– In den 1950-er Jahren beginnen französische Priester als ganz normale Arbeiter, oftmals anonym, in Fabriken zu arbeiten und werden auch von diesen bezahlt. Sie gründen ähnlich der KAJ/KAB FabriksarbeiterInnen-Runden und engagieren sich in Gewerkschaften. In den 1970-er Jahren gibt es fast 1000 Arbeiterpriester. – Früchte: Arbeitseinsätze von Priestern und Laien in Fabriken.

Das Zweite Vatikanische Konzil
– Von 1962 bis 1965 tagten ca. 2000 Bischöfe aus aller Welt samt ihren Beratern und Theologen in Rom. In ihrem Dokument „Gaudium et spes“ (Freude und Hoffnung), stellt sie die Weichen dafür, dass die Zielgruppe aller kirchlichen Anstrengungen alle Menschen in allen Lebenslagen ist. „Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Menschen von heute, besonders der Armen und Bedrängten aller Art, sind auch Freude und Hoffnung, Trauer und Angst der Jünger Christi.“ – Früchte: Einzelne Diözesan-Synoden beschließen die Errichtung von Betriebsseelsorgestellen in Österreich und Deutschland.

Befreiungstheologie
– Gustavo Gutierez, ein peruanischer Priester, inspiriert von der alttestamentlichen Befreiungstat JAHWES, der sein Volk mit Hilfe Mose in die Freiheit führte und vom zweiten Vatikanischen Konzil, formulierte 1968 als erster, dass die Aufgabe der Kirche gleich Mose sei, und die südamerikanische Bevölkerung aus Unterdrückung und westlicher Ausbeutung in die umfassende Freiheit (ökonomisch, politisch und psychisch) zu führen habe Die berühmtesten Formulierungen sind wohl: „Option für die Armen“, „Sprachrohr der Armen“. – Früchte: Basisgemeinden; Bibelgruppen; Ausdehnung der Zielgruppen auf die Schwächeren.

Papst Franziskus
Papst Franziskus ist der momentan heftigste Vertreter der Befreiungstheologie. Sein Ausspruch, „Diese Wirtschaft tötet“, ist wohl so manchem, hoffentlich, noch im Ohr. ((>Link zu „Papst Franziskus – Revolutionär auf Petri’s Stuhl)) und sein Aufruf statt des Schielens nach „Gewinnmaximierung“ eine allumfassende Gesellschaft, Politik, Wirtschaft im Sinne einer „Revolution der Liebe“ zu schaffen, ist Orientierung für die nächste und weitere Zukunft.
Hugh, Amen!