Geschichtliches

Geschichtliches der Betriebsseelsorge in Österreich

Die Geschichte des Christentums, der katholischen Kirche und der christlichen Kirchen währt inzwischen 2000 Jahre.
Eine Geschichte der Betriebsseelsorge in Österreich gibt’s erst seit 65 Jahren, beginnend 1953 mit Gründung der Betriebsseelsorge in der Voest-Linz.
Die geschichtliche Entwicklung der einzelnen Betriebsseelsorgezentren und -büros zeigt diese Seite an:
– Betriebsseelsorge in Österreich
– Betriebsseelsorge in Diözese ST. Pölten
– Betriebsseelsorge in Amstetten

I. Betriebsseelsorge in Österreich

1 Betriebsseelsorgeeinrichtungen gibt’s in Österreich derzeit in vier Diözesen: Diözese Linz, Diözese Graz-Seckau, Diözese St. Pölten, Diözese Salzburg. Bis vor einigen Jahren gabs auch eine in Innsbruck. Diese Einrichtungen bestehen an den verschiedenen Orten zumeist aus Büro und kleinem Versammlungsraum und ein bis zwei von der jeweiligen Diözese angestellten Betriebsseelsorgern.

2 Gemeinsam ist allen, dass sie außerhalb der pfarrlichen Struktur sind. Gemeinsam ist allen, dass sie versuchen, in vielfältigsten Formen, eindeutig auf Seite der Armen, Ausge-schlossenen, der Schwächeren, der Unteren zu stehen. „Option für die Armen“ heißt das einigende Zauberwort. Gemeinsam ist allen, dass sie versuchen, auch die Strukturen zu benennen, die Ungerechtigkeiten und Gemeinheiten hervorrufen. Gemeinsam ist allen, dass sie versuchen, die Welt menschlicher und gerechter zu gestalten.

3 „In Linz beginnts“ (Diözese Linz)
– 1953: Kaplan Josef Holzmann wird mit dem Aufbau einer „Voest-Werksseelsorge“ beauftragt. Unter seinem Nachfolger Hans Innerlohinger (ab 1963) wurde daraus die „Christliche Betriebsgemeinde Voest“. Mitten im Voest-Gelände wurde ein Pfarrzentrum mit allem was dazu gehört (Kapelle, Veranstaltungsraum, kleinere Besprechungszimmer, Büros) errichtet. Zielgruppe sind alleine die Arbeiter und kleinen Angestellten innerhalb des Voest-Betriebsgeländes. Dieses Pfarrzentrum innerhalb einer Firma ist das „Urbild“ der Betriebsseelsorgeeinrichtungen. In keinem der nachfolgenden Betriebsseelsorgestellen wurde es bis dato erreicht.
– Ab 1969 werden Betriebsseelsorge-Zentren in anderen Industrieorten eingerichtet: Linz-Ost (1969), Steyr, Traun-Nettingsdorf, Linz-Mitte, Oberes Mühlviertel und REHA-Zentrum-Linz (1972).
– Ab 1984 folgen die Zentren in Wels, Braunau und Vöcklabruck und in Linz der Treffpunkt Pflegepersonal.
Mit elf Betriebsseelsorge-Zentren ist die Diözese Linz „Spitzenreiter“ der Betriebsseelsorge in Österreich.

4 BS-Zentren in anderen Diözesen
St. Pölten: Das offizielle Gründungsdatum ist zwar 1972 mit der Diözesansynode. Die Anfänge sind aber etwas früher, vermutlich 1968, bzw. ab 1970 mit dem ersten Arbeiterpriester Stefan Veigl. (siehe „Geschichte der BS in der Diözese St. Pölten“).
Graz-Seckau: Ziemlich zeitgleich, um das Jahr 1971, starten die beiden Betriebsseelsorge-Zentren in Kapfenberg (für die Böhler-Arbeiter) und in Graz (für das Gesundheitspersonal der Uni-Klinik).
Salzburg: Zwei Zentren gibt’s hier, nämlich in Hallein und in der Stadt Salzburg/Itzling.
Innsbruck: Auch hier wird – ähnlich zu Graz – ein BS-Zentrum für das Krankenhauspersonal der Uni-Klinik Innsbruck eingerichtet. Leider wurde es vor einigen Jahren aus unterschiedlichen Gründen von der Diözese aufgelöst.

Literaturnachweis
Helmut Wagner, Arbeitswelt, Soziales und Diakonie. Drei Schwerpunkte einer Ortskirche am Beispiel der Diözese Linz seit 1945, Linz 2016, S. 68f.

II. Geschichte der Betriebsseelsorge in der Diözese St. Pölten

0 Vorweg
Diese Seite bietet nur einen kurzen Überblick. Detailliertere Informationen sind über die einzelnen Homepages der einzelnen Betriebsseelsorge-Zentren mit Google auffindbar.

1 Anregungen
Die Errichtung von Betriebsseelsorgezentren in der Diözese St. Pölten wurde angeregt von zumeist „äußeren“ Einflüssen.
Bereits im Jahr 1953 wurde im Betriebsgelände der Voest eine Betriebsseelsorgestelle für die Arbeitnehmer dieser Firma von der Diözese Linz eingerichtet. Weitere Anregungen kamen durch die lebendigen Runden der KAJ (Katholische Arbeiter Jugend) und der KAB (Katholische Arbeiter Bewegung), dann durch die Verbindungen zu den französischen Arbeiterpriestern und der ACO (Ähnlich der KAB) und nicht zuletzt durch das Dokument „Gaudium et spes“ des II. Vatikanischen Konzils (1962 – 1965).

2 St. Pöltner Diözesansynode 1972
Die Diözesansynode greift die Anregungen auf und formuliert Zukunftsträchtiges:
„Die Kirche ist auf Grund der ihr vom Stifter übertragenen Heilsaufgabe auf alle Menschen ausgerichtet. Diesem Grundsatz entspricht die bisherige seelsorgliche Praxis nicht in allen Bereichen in gleichem Maße. So findet sie noch nicht den entsprechenden Bezug zum Leben der Arbeitnehmer … Um diese Situation zu ändern, bedarf es größerer und gezielterer Anstrengungen der Kirche … den Arbeitnehmern die Frohbotschaft in entsprechender Form zu vermitteln.“ (S. 31)
Deshalb: „Für die Industrieschwerpunkte unserer Diözese (St. Pölten und Umgebung, Traisen- und Gölsental, Ybbs- und Erlauftal, St. Valentin mit dem Pendlergebiet nach Steyr und Linz, Oberes Waldviertel, Krems und Tulln sollen Priester oder entsprechend ausgebildete Laien hauptamtlich eingesetzt werden.“ (S. 33)

3 Früchte der Diözesansynode
  –  und engagierter Priester und Laien sind:
– 1970, Das erste „Betriebsseelsorge-Zentrum“ wurde in St. Pölten in der Herzogenburger
Straße eingerichtet.
1970 – 74: Stefan Veigl
1974 – 76: Franz Sieder
1990 bis nun: Sepp Gruber
1992 -1997: Elfi Haindl
Das Zentrum übersiedelte 1995 in die Schneckgasse. Nach der organisatorischen
Umgestaltung im Jahr 2009 war Martina Pummer und sind Christine Plank und Kathrin
Riedel für die Betriebsseelsorge tätig.
Einsatzgebiet: St. Pölten, Oberes Traisental
– 1976, Das zweite „Betriebsseelsorge-Zentrum“ wurde in Amstetten, Kirchenstraße
eingerichtet.
1976 – 2016: Franz Sieder
1999 bis nun: Max Bramberger
Ab Sept. 2017: Katharina Karl
Einsatzgebiet: Ybbs- und Erlauftal, gesamtes Mostviertel
– 1983, Das dritte „Betriebsseelsorge-Zentrum“ wurde in Heidenreichstein,
Pertholzerstraße eingerichtet.
1983 bis nun: Karl Immervoll
2001 – 2017: Ulrike Immervoll
Ab 2017: Sabine Schopf, unterstützt von Jugendleiter Franz Sedlmayr
Einsatzgebiet: Oberes Waldviertel
– 1990, Das vierte „Betriebsseelsorge-Zentrum“ wurde in Herzogenburg, Kremserstraße
eingerichtet.
1990 – ca. 2008: Sepp Gaupmann (war vorher 17 Jahre Arbeiterpriester in den Voith-Werken)
2005: Alois Reisenbichler,
2009 bis nun: Martina Bzoch
Einsatzgebiet: Unteres Traisental

4 Ausblick: Luft nach oben
Die Zielvorstellung der Diözesansynode 1972 auch in den Industriegebieten Krems, Tulln und St. Valentin Betriebsseelsorgestellen einzurichten, wartet noch der Umsetzung mit Betriebsseelsorgezentren in diesen Orten und genügend personeller Ausstattung. (So sind bis dato die meisten angestellten Personen in der Betriebsseelsorge nur teilzeitbeschäftigt)

Quellen:
St. Pöltner Diözesansynode 1972, Im Dienst an den Menschen
Festschrift, Little Phönix 20 Jahre – 25 Jahre Betriebsseelsorge, St. Pölten 2015
Festschrift, 30 Jahre Betriebsseelsorge Oberes Waldviertel, Heidenreichstein 2013

III. Geschichte der Betriebsseelsorge Amstetten

Die Betriebsseelsorge, mit Sitz in Amstetten, Kirchenstraße 16, gibt’s seit 1976. Der Einsatzbereich umfasst fast das ganze Mostviertel, von Pöchlarn im Nordosten, Gaming im Südosten, Waidhofen im Süden, St. Valentin im Westen und den Zentralraum rund um Amstetten. Die offizielle Bezeichnung ist Betriebsseelsorge des Ybbs- und Erlauftales.

Sie ist eng verbunden mit Kaplan Franz Sieder. Sein Grundanliegen war seit Beginn: Versöhnung zwischen Kirche und Arbeiterschaft, Kirche und Sozialdemokratie, Kirche und Gewerkschaft.
Das Grundanliegen prägte seine Arbeitsschwerpunkte und seinen unermüdlichen Einsatz.

– Durch zahlreiche Arbeitseinsätze (z.B. Firmen wie Fehringer, Umdasch, Krankenhaus, Zehetner, Initial, Böhlerwerk) bekam Franz Sieder Zugang zu den Arbeitern.
Durch die anschließenden Betriebsbesuche zu diesen und dann zu fast allen größeren Industriebetrieben behielt er die Verbundenheit mit den Arbeitern.
Durch Teilnahme an Gewerkschaftsveranstaltungen gewann er das Vertrauen zu den Interessensvertretern der Arbeiter: Arbeiterkammer, Betriebsräte und SPÖ.
Zahlreiche Reden an deren Versammlungen und Demos zeugen von diesem Vertrauen. In seinen drei Büchern „Gegen den Strom. Reden und Predigten von Franz Sieder“ sind sie dokumentiert.

– Der zweite Arbeitsschwerpunkt war der Aufbau von berufs- und situationsspezifischen ArbeitnehmerInnen-Runden. Zirka zehn Runden, die z.T. bis heute bestehen zeugen davon: Krankenschwester/pflegerInnen- Runde, Böhlerwerkerrunde, Eisenbahnerrunde, Runde von geschiedenen Frauen ua. Eine Runde besteht aus sechs bis zehn Teilnehmern, die sich monatlich getroffen haben. Die Methode war die ‚Revision de vie‘, die versucht Leben und Glauben zu verbinden. Kennengelernt hatte sie Franz von den französischen Arbeiterpriestern und der französischen ACO, ein Pendant zur österreichisch/deutschen Katholischen ArbeitnehmerInnen Bewegung, kurz KAB.

Die Betriebsbesuche mit Pfarrern des Mostviertels war ein dritter Arbeitsschwerpunkt. Diese Betriebsbesuche bestanden aus zwei Teilen: Betriebsführung und anschließendes Gespräch mit den Betriebsräten. Dadurch gelang es, die Kluft zwischen den zwei völlig verschiedenen Welten von Pfarre und Fabriksarbeitswelt zu verringern.

– Einen vierter Arbeitsschwerpunkt bildeten die Podiumsdiskussionen. Prominente Persönlichkeiten aus Kirche und Politik, wie z.B. die Bischöfe Gaillot aus Frankreich und Kräutler aus Brasilien oder Altbundeskanzler Bruno Kreisky waren die Referenten.

Seit Herbst 1999 wurde Franz Sieder von Max Bramberger unterstützt. Nach Franz Sieders Pensionierung im Sommer 2016 arbeiten seit September 2017 Katharina Karl und Max Bramberger miteinander in der Betriebsseelsorge Mostviertel.

(Max Bramberger)